Basel-Landschaft


Der Kanton Basel-Landschaft hat vielfältige lebendige Traditionen, die nicht selten eine regionale, im Fall des Chienbäse in Liestal eine überregionale Ausstrahlung aufweisen. Lebendige Traditionen kommen aber nicht nur in entsprechenden Grossanlässen zum Ausdruck, sondern bestimmen genauso stark das alltägliche Leben der Menschen. Der Kanton Basel-Landschaft setzt an diesem Punkt an. Ziel ist es, das kulturelle Erbe des Kantons zu erhalten, zu erschliessen und einer breiten Bevölkerungsgruppe zu vermitteln. Dabei unterscheidet er nicht per se zwischen materiellem und immateriellem Kulturerbe, da eine Trennung der beiden Welten in der Regel schwierig und wenig sinnvoll ist, da sie sich gegenseitig ergänzen.

Breite Kulturpflege

Für die Bewahrung des natur- und kulturgeschichtlichen Erbes des Kantons sind in erster Linie die Archäologie Baselland, die Römerstadt Augusta Raurica, das kantonale Museum.BL, das Staatsarchiv Basel-Landschaft, die Kantonsbibliothek Baselland und die Kantonale Denkmalpflege zuständig.

Das Museum.BL bewahrt sowohl natur- als auch kulturwissenschaftliche Sammlungen mit regionalem Bezug und legt Wert auf interdisziplinäres Vermitteln. Es verknüpft in seiner Arbeit Gegenwärtiges mit Vergangenem und Lokales mit Globalem. Einen besonderen Akzent legt es beispielsweise auf den Erhalt und die Vermittlung der Seidenbandweberei, auch Posamenterei genannt. Obschon diese seit den 1920er-Jahren keine grosse wirtschaftliche Bedeutung mehr hat, ist sie als eines der prägendsten Kapitel der kantonalen Industriegeschichte bis heute als Erinnerung präsent. In Ausstellungen, Bandwebkursen und weiteren Projekten zum Erhalt der Posamenterei wird aktiv dazu beigetragen, dass nicht nur das Materielle, sondern auch das Wissen um das Handwerk der Seidenbandweberei den nächsten Generationen erschlossen wird.

Während die Kantonale Denkmalpflege zuständig ist für die Pflege der heute noch genutzten historischen Bausubstanz des Kantons, ist die Archäologie Baselland verantwortlich für die Sicherung, Erforschung und Erhaltung des archäologischen Erbes, das sie der breiten Öffentlichkeit vermittelt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei die vielfältige mittelalterliche Burgenlandschaft. Mit Augusta Raurica erforscht, pflegt und vermittelt der Kanton vertieft das archäologische Erbe und die freigelegten Ruinen der römischen Koloniestadt. Und in der etablierten Bespielung des Römertheaters durch die zeitgenössische Kunst- und Kulturförderung ergibt sich eine Symbiose zwischen römischem Kulturerbe und zeitgenössischem Musik- und Theaterschaffen.

Das Liedgut, die Holzmusik und die Volkstanzpraxis, das musikalische Schaffen der zahlreichen Chöre und Musikvereine, die eine lebendige vielfältige Musikszene bilden, sind wichtige Facetten des immateriellen Kulturerbes des Kantons. Seine Ausstrahlung reicht in die ganze Nordwestschweiz und teilweise darüber hinaus. Der Kanton setzt sich mit seinen breit angelegten Fördermassnahmen für Chöre, Musikvereine und zeitgenössische Produktionen stark für das musikalische Schaffen in der Region ein.

Einen bedeutenden Anteil am kulturellen Erbe des Kantons hat die vom Kanton geförderte Schriftkultur. Die Kantonsbibliothek kümmert sich unter anderem um das Sammeln und die zeitgemässe Vermittlung sämtlicher Baselbieter Publikationen und Schriften. Für die Herausgabe der Baselbieter Schriftkultur ist der kantonseigene Verlag zuständig.

Lokale und jüngere Traditionen

Zum publikumswirksamsten Kulturerbe des Kantons Basel-Landschaft gehört der Chienbäse. Am Sonntag nach Aschermittwoch werden hunderte grosse, brennende Chienbäse (Fackeln) durch die Stadt getragen, begleitet von rund zwanzig brennenden Wagen. Der Chienbäse wird jedes Jahr von mehreren 10'000 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht.

Der Pfingstblütter in Ettingen und der Nünichlingler in Ziefen sind weitere lokal verankerte Traditionen. Während die Pfingstblütter am Morgen des Pfingstsonntags mit Buchenreisig bekleidet durch den Ort ziehen und die Besucherinnen und Besucher mit genetzten Zweigen zu bespritzen versuchen, ist der Nünichlingler ein Erlebnis. Am Abend des 24. Dezembers ziehen in Mäntel gehüllte Männer mit hohen Zylindern und mit Glocken behängt durch das Dorf.

Wichtig für alle Baselbieter Gemeinden ist der Banntag. Früher diente dieser der Umgehung und Kontrolle der Gemeindegrenzen - heute ist er zusehends ein Bürger- und Gemeindefest. Auch das Aufstellen des Maibaums ist in über der Hälfte der Baselbieter Gemeinden eine feste Tradition.

Nebst diesen historisch verankerten Praxen sind aber auch neuere Traditionen zu nennen, etwa die Robi-Spielplätze im unteren Baselbiet und die unterschiedlichen Umnutzungsprojekte von brach liegenden Industriearealen (beispielsweise das Walzwerk Münchenstein, das Zeughaus Gelterkinden, die Revue Thommen in Waldenburg oder das Hanro-Areal in Liestal). Gerade Letztere ermöglichen zahlreiche neue kulturelle Projekte und sind stark in der Region Basel verankert.

Referenzen