Uri


Im Kanton Uri, im Herzen der Schweiz, lassen sich viele kulturelle Besonderheiten entdecken. Rund um den bekannten Tell-Mythos und die Gotthard-Geschichten trifft man auf kleinstem Raum auf lebendige Traditionen, vielfältige Naturlandschaften und charakteristische historische Verkehrswege und Dorfbilder. Die Lage an der Nord-Süd-Verbindung prägte die Kultur des Kantons seit jeher massgeblich. Dies zeigt sich nicht nur in den südlichen architektonischen Einflüssen, die den Hauptort Altdorf prägen. Auch im aktuellen Kulturschaffen findet man enge Verknüpfungen zwischen Tradition und zeitgenössischer Offenheit. Das alte Tellenspiel von 1512 wird zur freiheitssuchenden Tell-Inszenierung unter Volker Hesse. Das Haus der Volksmusik mitten in Altdorf bringt «alte» und «neue» Volksmusik zusammen. Hier entwickelt sich ein national ausstrahlendes Kompetenzzentrum für die Schweizer Volksmusik. Mit dem Internationalen Musikfestival Alpentönen hat Uri auch den experimentellen und grenzüberschreitenden Treffpunkt für alpenländischen Musik geschaffen. Das Volksmusikfestival Altdorf ergänzt auf ideale Weise die Zentralschweizer Festivals wie Obwald oder Stanser Musiktage. Musik ist in der Bevölkerung verankert. Über siebzig Volksmusikkapellen musizieren aktiv im 35‘000 Einwohner zählenden Uri.

Zusammenarbeit der Zentralschweizer Kantone

Mit der Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat sich die Schweiz verpflichtet, Massnahmen zur Sicherung und Förderung des Kulturerbes zu ergreifen. Zentrales Element ist die Erstellung einer nationalen Liste des Kulturerbes. Uri hat diese mit den Zentralschweizer Kantonen realisiert. Gemeinsam trägt man dem reichen Traditions-, Mentalitäts- und Kulturraum Zentralschweiz Sorge. Der Kulturwissenschaftler Dr. Marius Risi erarbeitete mit kantonalen Experten die Zentralschweizer Traditionen. Er erstellte zuhanden der Kulturbeauftragtenkonferenz die Dossiers für die Zentralschweizer Einträge. Risi wurde wiederum mit der Aktualisierung der nationalen Liste 2017/2018 betraut.

Von den nationalen Einträgen ist bisher lediglich eine lebendige Tradition allein in Uri beheimatet - die «Woldmanndli» aus Andermatt. Eine weitere Tradition ist im Gebiet mit den Nachbarkantonen verbreitet, die Gotthard-Geschichten, 15 Zentralschweizer Einträge haben starken Urner Bezug, so beispielsweise die Innerschweizer Volksmusik oder Wilhelm Tell und die historischen Befreiungsmythen. Und mehrere schweizerische Einträge sind für Uri von Bedeutung, beispielsweise Schwingen, Jassen, Blasmusik oder der Umgang mit Lawinen.

Gelebte Traditionen in Uri

Nicht alle Traditionen fanden in der nationalen Liste Eingang. Dies bewog das Amt für Kultur in Uri, eine kantonale Liste der lebendigen Traditionen - eine Website und eine Broschüre - zu vier Themenbereichen zu erarbeiten.

Historische Freiheitsmythen: Viele Traditionen ranken um Entstehungsgeschichten und Sagen (beispielsweise «s‘Greis vo Surenen als Wappentier»). Lebendig sind alte und neue Mythen am Gotthard und die Wirkungsgeschichte Tells - Abhängigkeit und Freiheit sind zeitlos existentielle Themen. Der «Goldene Ring über Uri» - ein Vermächtnis des Urner Arztes Eduard Renner - versuchte mit einer eigenwilligen Deutung das magische Erleben uns das Selbstverständnis der Urnerinnen und Urner zu erklären. Die Urner Erzähl-, Spiel- und Schrifttradition sind beheimatet in der Ludothek Altdorf, der Kantonsbibliothek (Uriensis) und in den Gemeinden und im Staatsarchiv Uri.

Dorfkultur, Musik und Gemeinschaft: Träger vieler Traditionen sind die Dorfvereine. Sie pflegen Blasmusik, Chorgesang, Volksmusik und Volkstheater, das Trachtenwesen, Fahnenschwingen, das Alphornspiel oder der Jodelgesang. Sie umrahmen weltliche und kirchliche Feste, Jubiläen, Anlässe und Dorfereignisse. Noch immer lebendig ist das Kirchenjahr mit Advents-, Samichlaus-, Silvester- und Dreikönigsbrauchtum. Bedeutsam sind auch Alpauf- und Alpabfahrten mit Sennenchilbi, Schwing-, Schützen- und Älplerfesten. Es wird gesungen («Zogä-n-am-Boogä»), musiziert und getanzt. Drei Institutionen prägen das musikalische Leben: Das theater(uri) als Mehrspartenhaus, das Haus für Musik mit der Musikschule Uri und das Haus der Volksmusik in Altdorf. Highlights sind das Musikfestival Alpentöne, das Volksmusikfestival Altdorf und zwei Klassik-Festivals in Andermatt. Die beiden Lokalzeitungen tragen viel zur kulturellen Vermittlung bei.

Fasnacht, Film, Theater, Tanz: Die Urner Fasnacht ist geprägt durch den monotonen Fasnachtsmarsch des Arztes Wilhelm Kesselbach 1894-1919. Dr. Rolf Gisler dokumentierte die Fachnacht in einem dicken Buch. Speziell sind der «Drapoling», eine Maske mit Schellenkleidern oder die «Woldmandli» in Andermatt. Das Dorftheater ist in fast allen Gemeinden präsent. Zu den grösseren Laienbühnen gehören die Tellspielgesellschaft Altdorf, das Kulturforum Freilichtspiele Andermatt und die Bühne Moment & Co. Acht Trachtengruppen pflegen den Trachtentanz, vier Chöre den Jodelgesang. Das Schächental ist bekannt für das «Priisbeedälä». Zu den wichtigsten Institutionen zählen das Cinema Leuzinger, das Theater(uri) - das zweitgrösste Zentralschweizer Theater - und das Kellertheater im Vogelsang Altdorf.

Wildheuen, Waldnutzung und altes Handwerk: In Bergtälern lebt noch da und dort das alte Handwerk wie Schindeln, Korben, Töpfern, Garnflechten, Werkzeug machen. Bekannt ist der Handwerksmarkt Isenthal mit dem „Urchigen Handwärksweg". Lebendig sind hier auch das Wildheuen (Landschaftsschutzpreis 2016), das Alpkäsen und Fleischtrocknen, die Treichelnkunst und die Bildhauerei, ebenso das Sticken, die Schafwollverarbeitung oder die Strahlerei. Eindrücklich ist Uri als Kristall-Land. Die Kristalle vom Planggenstock im Mineralienmuseum Seedorf, im Sasso San Gotthardo oder im Naturmuseum Bern erzählen die Geschichten der Kristallsucher. Bereits ausgestorben sind das Holzreisten, das Kalkbrennen oder das Flössen.

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