Waadt


Zahlreiche lebendige Traditionen

Als viertgrösster Kanton der Schweiz hat das Waadtland viele von der räumlichen und landschaftlichen Vielfalt geprägte und meist noch heute sehr lebendige Traditionen vorzuweisen. Während für viele dieser Traditionen die Zeit zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren eher schwierig war - das Streben nach Modernität und Fortschritt trug zweifellos dazu bei - hat das Interesse an Tradition und Brauchtum in den letzten zwanzig Jahren wieder merklich zugenommen.

Grosse landschaftliche Vielfalt

Dank seiner grossen Vielfalt zählt der Kanton Waadt zahlreiche und vielfältige Traditionen, die nach den Kriterien der Unesco inventarisiert werden können. Im Zentrum und im Norden dominieren die ländlichen Gebiete. Doch es gibt auch eine ganze Reihe mittelgrosser Städte, allen voran Lausanne, zwei wunderschöne Seen, den Genfer- und den Neuenburgersee, sowie zwei Bergregionen, die sich grundlegend voneinander unterscheiden: die Voralpen (Ormonts, Pays-d'Enhaut) und der Jura (Vallée de Joux, Region um Sainte-Croix).

Ein neues Gesetz zum Kulturerbe

Am 1. Mai 2015 ist das Gesetz über das bewegliche und immaterielle Kulturerbe (Loi sur le patrimoine mobilier et immatériel LPMI) in Kraft getreten, das eine Gleichstellung des beweglichen - namentlich des dokumentarischen - und des immateriellen Kulturerbes bezweckt. Es bestätigt die Arbeiten zur Erhebung und Inventarisierung des immateriellen Kulturerbes seit 2010 und hält fest, dass der Kanton Massnahmen zur Erhaltung von Elementen dieses Kulturerbes finanziell unterstützen kann, sofern sie auf die kantonale Inventarliste aufgenommen wurden. Das Gesetz sieht ausserdem die Schaffung der Stelle (30 %) eines Konservators oder einer Konservatorin für das immaterielle Kulturerbe des Kantons, eine kantonale Kommission und einen Unterstützungsfonds für das bewegliche und immaterielle Kulturerbe vor.

Städtische und ländliche, jahrhundertalte und neue Traditionen

Die kantonale Erhebung zählt zurzeit mehr als 70 Traditionen, die nicht alle aufgeführt werden können. Neun Waadtländer Traditionen wurden in das Inventar der lebendigen Traditionen in der Schweiz aufgenommen (Winzerfest in Vevey, Nachtwächter der Kathedrale von Lausanne, Hinkender Bote, Waadtländer Landjugendfeste, Waadtländer Abteien, Herstellung von Musikautomanten und Spieldosen, Scherenschnittkunst, Uhrmacherkunst und Belle Epoque Reise in der Genferseeregion). Erwähnt seien darüber hinaus zum Beispiel das Waadtländer Patois, die gleichermassen traditionellen wie libertären Aktionen der legendären Genferseepiraten und der Räuber des Jorat («Brigands du Jorat»), zahlreiche Festivals (Musik, Kino, Heissluftballons), die Mittsommer von Taveyanne und Saint-Cergue, die Weinauktion der Gemeinde Lausanne oder einige bis heute bestehende Gewohnheitsrechte, die Regatten und der freiwillige Seerettungsdienst auf dem Genfersee oder das traditionelle Handwerk des Ölpressens.

Schliesslich wurden auch Traditionen aufgenommen, die zwar in anderen Kantonen wie Freiburg oder Genf oder für die ganze Schweiz erfasst wurden, jedoch auch im Waadtland verbreitet sind, so beispielsweise die Schindelmacherei, die Schülerumzüge («Promotions»), das Gesundbeten, die Herstellung von Alpkäse, das Fondue, Trockenmauern bauen oder die Dorf- und Blasmusiken.

Zu erwähnen ist schliesslich insbesondere das alle 20 bis 25 Jahre stattfindende Winzerfest auf dem Marktplatz von Vevey. Es ist die erste lebendige Tradition der Schweiz, die auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen wurde (1. Dezember 2016).  Das nächste Winzerfest wird 2019 stattfinden.

Bedrohte Praktiken 

Mehrere der erhobenen Traditionen sind bedroht oder im Begriff zu verschwinden:  Die Tradition der Herstellung von Musikautomaten und Spieldosen, das Waadtländer Patois, das von immer weniger Sprecherinnen und Sprechern beherrscht wird, oder die nur noch selten erzählten Geschichten von Oin-Oin.

Eine waadtländer Webseite 

Der Kanton Waadt hat im Januar 2012 eine Webseite zur Inventarisierung seines immateriellen Kulturerbes erstellt. Wie alle Vorgehen in Bezug auf das immaterielle Kulturerbe ist sie in ständiger Entwicklung.

Referenzen