Kastanienanbau, Kastanien und Marroniverkäufer


Kategorie:
Umgang mit der Natur
  • Gesellschaftliche Praktiken
  • Traditionelles Handwerk
Kanton:

Beschreibung

Die Kastanienhaine, die sogenannten Selven, sind in der italienischen Schweiz ein Kulturerbe von erheblichem ökologischem und landschaftlichem Wert. In den letzten 20 Jahren wurden deshalb zahlreiche Projekte zur Restaurierung von Kastanienselven eingeleitet. In einem grossen Teil der italienischen Schweiz spielte die Edelkastanie während Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der Ernährung. Besondere Bedeutung kam der Aufbewahrung der Früchte zu, die in kleinen, zu diesem Zweck errichteten Gebäuden erfolgte. Heute erhalten die traditionellen Dörrmethoden wieder vermehrt Wertschätzung, meist zu didaktischen Zwecken in Form von Demonstrationen und zur Erinnerung an die Kultur und Geschichte. Im Herbst werden jeweils verschiedene Veranstaltungen organisiert, an denen Kastanien und daraus hergestellte Produkte in verschiedenen Formen verkauft und gegessen werden, unter anderem geröstet als Marroni. Auf den Plätzen vieler Städte sowie an Messen, Festen und Märkten sind Marroniverkäufer auch heute noch häufig anzutreffen. Die ersten Marronibrater, für die belegt ist, dass sie auf Plätzen in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern ihre Kastanien anboten, stammten vor allem aus dem Bleniotal und aus der Leventina. Einige von ihnen geben noch heute den Beruf an ihre Nachfahren weiter, während andere ihre Ausrüstung Personen überlassen, die nicht zu ihrem Verwandten- oder Bekanntenkreis zählen.

Bildergalerie

  • Kastanienselve in Caneggio, Muggiotal © Paolo Crivelli/MEVM
  • Eine Reihe von Bäumen in der Kastanienselve von Caneggio, Muggiotal © Paolo Crivelli/MEVM
  • Kastanienklopfen in Castasegna, Val Bregaglia © Max Weiss/Montabella Verlag
  • Trennen der Kastanien von den Schalen durch Schütteln im Weidekorb © Max Weiss/Montabella Verlag
  • Sieben der gedörrten Kastanien © Max Weiss/Montanella Verlag
  • Marroniverkäufer auf der Piazza Dante, Lugano
  • Kastanienselve in Caneggio, Muggiotal © Paolo Crivelli/MEVM
  • Eine Reihe von Bäumen in der Kastanienselve von Caneggio, Muggiotal © Paolo Crivelli/MEVM
  • Kastanienklopfen in Castasegna, Val Bregaglia © Max Weiss/Montabella Verlag
  • Trennen der Kastanien von den Schalen durch Schütteln im Weidekorb © Max Weiss/Montabella Verlag
  • Sieben der gedörrten Kastanien © Max Weiss/Montanella Verlag
  • Marroniverkäufer auf der Piazza Dante, Lugano

Videoaufnahmen

Le Mille e una Castagna © Alessandra Bobbià

Referenzen und Dossier

Publikationen
  • Natalia Ferroni: Profüm da castegn da la grà. A Moghegno rivive un’antica tradizione. In: Agricoltore ticinese 44. Lugano,1995

  • Interviste (a cura di Alessandra Bobbià): Gianpiero Invernizzi (09.11.2010, 09.02.2011), Giuliano Strazzini (09.02.2011), Marzio Strazzini (28.03.2011), Giovanni Scozzari (29.03.2011). Centro di dialettologia e di etnografia. Bellinzona

  • Hans Käser: Die Kastanienkultur und ihre Terminologie in Oberitalien und in der Südschweiz. Aarau, 1932

  • Remo Maurizio: Aufbewahrungsmethode der Kastanienfrüchte im Bergell. In: Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubündens 100. 1983, p. 167-170

  • Laura Sofia: Castagna. Estratto dal Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana (Le voci 5). Bellinzona, 2001

  • Mengia Spreiter-Gallin: Castasegna. Località di confine. / Castasegna: Ein Grenzdorf. St. Moritz, 2006

  • Mario Vicari: Documenti orali della Svizzera italiana. Valle di Blenio. Seconda parte. Ed. Ufficio cantonale dei musei - Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana. Bellinzona, 1995

  • Mario Vicari: Documenti orali della Svizzera italiana. Valle Leventina. Prima parte. Ed. Centro di dialettologia e di etnografia. Bellinzona, 2005

Dossier